Stadtrat und Kreisrat
für Bad Neustadt und Rhön-Grabfeld

Jahresschlussrede 2017 im Stadtrat Bad Neustadt


Dez 14, 2017
admin

Sehr geehrter Herr Bürgermeister,
liebe Kolleginnen und Kollegen,
sehr geehrte Damen und Herren
aus der Verwaltung und von der Presse,
liebe Gäste,

stellen wir uns dieses Jahr einmal alle die folgende Frage – und suchen wieder gemeinsam nach Antworten. Die Frage lautet: Was macht eine echte Rückkehrer-Stadt aus? Ich habe mir schon ein paar Gedanken darüber gemacht.

Schauen wir genau hin: Deutschland und vor allem Bayern boomt. Wir in Rhön-Grabfeld sind in der glücklichen Lage der Vollbeschäftigung, viele Betriebe arbeiten seit Wochen am Limit, es fehlt an qualifiziertem Personal, an jungen Leuten, an Handwerkern, Ingenieuren, Programmierern, Ärzten, Krankenschwestern, Krankenpflegern und vielen Berufsgruppen mehr.

Eigentlich sind das – wenn wir uns im restlichen Europa und vor allem rund um den Globus umschauen – die reinsten Luxusprobleme. Denn viele Länder blicken voller Ehrfurcht, aber auch mit Neid und Missgunst auf all das, was wir uns in unserem Land in den letzten Jahrzehnten aufgebaut und durch strategisch wichtige und durchdachte politische Entscheidungen eingeleitet und zielgerichtet vorangetrieben haben.

Für Bad Neustadt und die ganze Region halte ich es aber als eine der wesentlichen und vor allem richtungsweisenden Aufgaben, für eine Entspannung auf dem Arbeitsmarkt zu sorgen, damit so viele Firmen, Unternehmer und Dienstleister mehr, am besten alle vom Wirtschaftsboom profitieren können. Nur so ist auch in Zukunft ein kerngesundes Wachstum bei den kleinen, mittleren und auch größeren Betrieben gewährleistet.

Aber was können wir dafür tun? Unsere Stadt weiterhin fit machen für junge Menschen, Bad Neustadt baulich weiter modernisieren und das Leben in der Stadt attraktiv und lebenswert machen. Ich gebe Ihnen hierzu ein paar Stichpunkte wie: weiche Standortvorteile generieren, das sind vor allem Bildung, flexible Betreuungsangebote, Kultur, Kunst, Erwachsenenbildung, grüne Oasen für Erholung, uns mit benachbarten Oberzentren und Metropolregionen verkehrstechnisch verbinden, die S-Bahn-Linie Meiningen – Bad Neustadt – Schweinfurt – Würzburg vorantreiben und vieles mehr.

Weiterhin sollten wir als attraktive Rückkehrerstadt an einer sensiblen Willkommenskultur feilen, den Neuankömmlingen „Willkommensdienstleister“ sein, zum Beispiel durch einen einfachen und unkomplizierten Bürgerservice. Verwaltungen sollen für die Bürger da sein und nicht die Bürger für die Verwaltungen, da wäre eGovernment wohl ein probates Mittel. Hier könnten wir mit flott gestrickten Konzepten für den ländlichen Raum eine Vorreiterrolle in ganz Bayern einnehmen.

Dann sollten wir – und das ist alles andere als eine bloße Floskel – die kundenfreundlichste Stadt Bayerns werden! Das beginnt beim richtigen Mix an Werbemaßnahmen, sei es im Worldwideweb, auf Messen oder in den altgedienten, manchmal fast schon antiken Printmedien. Wir sollten Problemlösungen bieten für Bürger und Gäste – und das beginnt bei einfachen Behördengängen, läuft über das Ticketing beim Parken, bei Veranstaltungen oder bei der Hotelbuchung und endet noch lange nicht bei der persönlichen Ansprache und den individuell zugeschnittenen Angeboten für Wohnen, Freizeit, Bildung und Beruf.

Zusammengefasst: Wir holen Menschen mit außergewöhnlicher Ansprache und exzellentem Service ab, damit sie gerne als Gast wiederkommen, hier kurzfristig bleiben oder für immer ihr Arbeits- und auch Privatleben in unserer Region verlegen wollen. Zugebenermaßen ein hehres Ziel, aber durchaus mach- und durchführbar.

Weiterhin gilt es, Einrichtungen für Pendler schaffen, soll heißen, Mietraumkonzepte mit Gemeinschaftsbereichen zu entwickeln. Dies ist der erste Schritt für neue Leute in unserer Region und knüpft an den Gedanken von vorhin an. Denn wenn die Pendler zunächst nur unter der Woche hier sind, haben sie – wenn wir sie gut aufnehmen und attraktive Angebote schaffen – sicher keine allzu große Lust mehr auf nerviges und zeitaufwändiges Fahren und ziehen mit ihrer gesamten Familie ins schöne Bad Neustadt. In diesem Zusammenhang sollten wir mit geeigneten Investoren neue Konzepte entwickeln und damit genau die Menschen ansprechen, die von Lärm, Verkehr und großstädtischer Unpersönlichkeit die Nase voll haben und liebend gerne Stadtflucht begehen.

Wir werden so Räume für moderne Arbeitswelten schaffen: Was halten Sie zum Beispiel von Mietbüros mit flexiblen Raumlösungen für Startups oder für Menschen, die von Rhön-Grabfeld ihren Job tun möchten, ähnlich den Home-Offices. Die unmittelbare Nähe zum BayernLab wäre uns hierbei sicher sehr hilfreich. Gemeinsam genutzte, flexible Büro- und Co-Working Flächen könnten Raum für modernes Arbeiten und kreativen Austausch bieten. Dazu noch inspirierende Tagungswelten, also für jeden Bedarf den passenden Raum, egal ob Tagung, Schulung oder Kreativ-Workshop. Ergänzend dazu käme noch ein Event-Bereich mit stylishen Outdoor-Flächen. Ich meine, das sollten wir alle zusammen oder in den einzelnen Gremien zeitnah in Angriff nehmen, um auch hier mit der Vorreiterrolle in Main-Rhön die besten Karten in der Hand zu halten.

Bei allen diesen Dingen ist natürlich ein ideenreiches, originelles und starkes Marketing unbedingte Voraussetzung, um unsere Stadt und die ganze Region mit Ihren Vorzügen und den hervorragenden weichen Standort-Faktoren perfekt zu vermarkten. Wir sollten unbedingt am Rückkehrer-Portal des Landkreises mitwirken, Ideen und Inhalte zuliefern. Hier muss man Kompetenzen bündeln und Synergieeffekte nutzen, die ganze Region an einem Strang ziehen und keine Eifersüchteleien unter den Rhön-Grabfeldern zulassen.

Ein letzter Punkt, und den kann man gerade in diesen Zeiten nicht oft genug nennen: Eine gut funktionierende Gesellschaft ist heute so stark abhängig von jedem Einzelnen wie nie. Hier müssen wir manche Menschen mehr fordern und ermutigen, mehr dem Gemeinwohl zu dienen, dagegen anderen wiederum sehr, sehr dankbar sein. Deshalb an dieser Stelle mein bzw. unser herzlichster Dank an alle ehrenamtlichen Helfer unserer Stadt, immer noch aktuell zum Thema Flüchtlinge, deren Aufnahme und Integration in unsere Leben und unsere Kultur. Sensationelle Arbeit wird hier noch immer geleistet und Menschlichkeit ganz groß geschrieben. Herzlichsten Dank auch an alle Aktiven in Vereinen, Institutionen, an alle Bad Neustädter, die sich um Alte, Kranke und Schwächere und in Not Geratene kümmern.

Danke auch an die vielen kleinen, mittelständischen und auch großen Betriebe für die fantastische Zahl an Arbeitsplätzen und die sprudelnden Gewerbesteuerzahlungen, auch das ist bemerkenswert. Danke an die Verantwortlichen der Staatsregierung, dass wir uns mit durchdachten Förderprogrammen herausragende Hotspots in Bad Neustadt leisten können, wir mit glänzender Architektur weit über unsere Region hinausstrahlen. Dies ist für mich echte Förderung des ländlichen Raums. Nutzen wir hier alle Möglichkeiten, die uns Land, Bund und Europa zur Verfügung stellen!

Und schließlich auch ein herzliches Dankeschön an alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die mit ihren Produkten und Dienstleistungen unsere Stadt nach vorne bringen und damit auch unsere Region in einigen Bereichen weltweit bekannt machen. Dafür müssen wir diese Menschen mit allergrößter Kraft unterstützen, wir Ihnen eine interessante, eine wirklich lebenswerte Region gestalten – eine Region, in der sie gerne zu Hause sind oder sich vorstellen können, in Zukunft zu leben.

Ich danke im Namen meiner gesamten Fraktion Ihnen, sehr geehrter Herr Bürgermeister, sehr geehrte Damen und Herren aus dem Gremium, aus der Verwaltung für die gute und konstruktive Zusammenarbeit und Ihnen von der Presse für die übers Jahr laufenden Berichterstattungen über unsere Arbeit.

Eines ist mir sehr, sehr wichtig: Lassen Sie uns weiterhin den Blick fürs Wesentliche behalten und über DIE Dinge sprechen, die Bad Neustadt und den Menschen wirklich wichtig sind. Kinkerlitzchen und ewige Diskussionen über Centbeträge bringen uns nicht weiter.
Außerdem ist für mich ein gewisses Grundvertrauen in die Behörden und die öffentlichen Verwaltungen selbstverständlich. Wenn wir zukünftig all das in Frage stellen, wird die öffentliche Hand und der gesamte Staatsbetrieb nicht mehr funktionieren.
Ich möchte damit nicht sagen, dass wir alles hinnehmen müssen, und es ist ja auch unsere Aufgabe genau zu prüfen, dass im Staat und in der Wirtschaft korrekt und nachhaltig gearbeitet wird. Aber lassen Sie uns nicht – vielleicht aus Profilierungssucht einzelner Personen oder Parteien – aus jeder Mücke einen Elefanten machen und von Vorteilsnahme oder unseriösem Verhalten sprechen. Dadurch kehren die Menschen der Politik ebenso den Rücken zu, wie wenn wir Entscheidungen treffen, die nur einzelnen Menschen von Vorteil sind.

Besonderer Dank geht an meine Fraktion: Ich sage Euch allen ein herzliches Dankeschön für Eure tolle und oft auch anstrengende Arbeit. Ich freue mich sehr auf das nächste Jahr und den hoffentlich weiterhin harmonischen und konstruktiven Gesprächen in unseren Fraktionssitzungen, aber auch in der Kneipe.

Ich wünsche Ihnen allen ein glückliches Weihnachtsfest im Kreise Ihrer Lieben und einen guten Rutsch ins neue Jahr. Mein größter Wunsch kommt wie immer zum Schluss: Bleiben Sie bitte gesund.

Herzlichen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.

Bastian Steinbach
für die CSU-Stadtratsfraktion Bad Neustadt

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